Warum du diese App zu deiner besten Freundin machen solltest

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Vorweg: Nicht jede Frau menstruiert und nicht jede*r die/der menstruiert, ist eine Frau. Deshalb habe ich versucht, in diesem Artikel so neutral wie möglich zu formulieren und hoffe, damit allen gerecht zu werden.

Die Tatsache, dass Apple Health nicht von Anfang an eine Funktionalität zum Tracken von Menstruation hatte, verblüfft mich immer wieder – immerhin besitzt etwa die Hälfte der Menschheit Eierstöcke und ein großer Teil davon menstruiert regelmäßig. Aber hey, wenn man diese Gruppe immer noch als Randgruppe sieht und wenn Menstruation immer noch ein augenscheinlich ekelhaftes Thema ist, dann schockt sowas irgendwann nicht mehr so sehr.

Umso schöner, dass es Zyklustracking-Apps wie Clue gibt. Das minimalistische Design und die intuitive Bedienung sind die Hülle, die diese App so wunderbar machen. Gut möglich, dass ihr auch schon von ihr gehört habt – so neu ist sie mittlerweile nicht mehr und löst schon seit längerer Zeit Begeisterungsstürme aus.

Was ist Clue überhaupt?

Für die, denen Clue unbekannt ist – was sind die Funktionalitäten? Ihr könnt – natürlich – zunächst einmal eure Menstruation eintragen. Dabei könnt ihr die Stärke oder Schwäche mit angeben. Außerdem bietet Clue eine Reihe von Auswahlmöglichkeiten, was die Begleiterscheinungen angeht. Kopfschmerzen, Krämpfe oder sensible Brüste – ihr kennt das. Auch vor und nach der Mens könnt ihr eure Befindlichkeiten tracken. Mittelschmerz beim Eisprung, PMS, das allgemeine Energielevel und die Libido lassen sich über den Zyklusverlauf festhalten. Wer mag, trägt außerdem noch Infos zu Zervix & Co ein. Nach ein paar Zyklen, die die App getrackt hat, bildet sie Mittelwerte und kann Voraussagen treffen, was Eisprung, PMS und Menstruation angeht.

Aus Erfahrung der letzten Monate kann ich dazu sagen: Bis auf ein paar Ausreißer war die App in ihren Voraussagen ganz schön zutreffend. Zu wissen, wann etwa der Eisprung stattfindet, hilft ungemein, die Stimmungslage und die körperliche Verfassung einzuordnen. Etwa die Schmerzen im Unterleib, die sich plötzlich nicht mehr fies von hinten anschleichen, wenn der Eisprung naht, sondern sich ziemlich genau als Mittelschmerz lokalisieren lassen. Oder der Moment, in dem du an der Supermarktkasse stehst und dir schmerzlich bewusst wird, dass und warum da genau zwei Tüten Chips, zwei Tüten Haribo und ein Grießpudding liegen (neulich genau so passiert).

Natürlich hat Clue auch Schwachpunkte – ich finde zum Beispiel, dass der Katalog an Symptomen deutlich größer sein könnte. Aber daran wird stetig gearbeitet. Seit ich die App benutze – etwa ein Jahr mittlerweile – hat sich einiges getan, was Inhalte und Benutzerfreundlichkeit angeht.

Wenn ich weiß, warum ich mich so fühle, kann ich besser damit umgehen

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Clue empowert: Ich weiß, was mit meinem Körper passiert, wann es passiert und wie es sich anfühlt. Ich bemerke Regelmäßigkeiten, verstehe mich besser und finde Erklärungen für meine Gefühle. Wenn ich das alles einordnen kann, dann fällt es mir auch leichter, damit umzugehen. Die tiefschwarzen Tage, in denen ich plötzlich furchtbar nah am Wasser gebaut bin und mich für jede einzelne Lebensentscheidung verfluche, werden dadurch zwar nicht weniger schlimm. Aber ich vergrabe mich dann eben mit der Schokolade im Bett und warte, dass es vorübergeht. Weil ich weiß, dass es vorübergeht. Weil es letzten Monat genauso war und den davor auch. Das habe ich schwarz auf weiß in meinem Smartphone stehen. Vielleicht sind andere Menschen besser organisiert, aber ich konnte solche Phasen oft nicht richtig zuordnen, als ich noch nur in meinem Kalender vermerkt habe, wann die letzte Mens war. Denn wenn man sich in einem solchen Tief befindet, ist es immer furchtbar schwer, es zu abstrahieren und logisch zu analysieren, woher es nun kommt. Ein Blick in die App nimmt mir aber einiges an Sorgen ab: Es ist scheiße, es macht mich fertig, aber es ist “nur” PMS. This too shall pass.

Die App lässt mich meinen Körper ganz neu schätzen

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Den eigenen Körper zu kennen und ihn zu verstehen, bringt einen weiteren Effekt mit sich: Das Schätzen des Körpers und seiner Funktionen. Ich finde Unterleibsschmerzen auch nicht super und würde alles tun, um PMS auf den Mond zu schießen. Aber alle diese Symptome sind Zeichen, dass mein Körper so funktioniert, wie er soll. Dass ich gesund bin und dankbar sein kann, dass mein Körper das tut, was ich von ihm erwarte. Diese Gewissheit bringt eine völlig neue Form des Selbst-Bewusstseins mit sich. Und zeigt mir, dass ich meinen Körper weniger kritisieren, sondern ihn schätzen und gut behandeln sollte.

Seit einem Jahr benutze ich Clue mittlerweile. Und euch lege ich das auch sehr ans Herz – es ist ein beruhigendes Gefühl, den eigenen Körper zu kennen und ihm vertrauen zu können. Indem sie mir unaufgeregt und zuverlässig Auskunft gibt, mich beruhigt und mich mir selbst bewusst macht, ist sie zu einer unverzichtbaren Begleiterin geworden.

Das mag man bedenklich finden und man könnte dagegen halten, wie weit wir schon gekommen sind, dass wir unsere persönlichsten Daten so freizügig preisgeben. Man könnte auch sagen, dass die Menschheit über Jahrtausende auch ohne diese Hilfsmittel menstruiert hat.

Oder man könnte mit der Zeit gehen und anerkennen, wie empowernd Apps sein, wie viele Sorgen sie vernichten und wie viel sie zu einem gesunden Körpergefühl und Selbstbewusstsein beitragen können.

 

Hier ist Clue für Android erhältlich.

Und hier fürs iPhone.

 

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Die Bilder habe ich übrigens in der Ausstellung “Arts and Crafts Week at Panty Camp” gemacht, die ich letztes Jahr besucht habe und über die ich hier bereits berichtete.

2 Comments

  • Liv says:

    Was für ein toller Beitrag! (vor allem gleich die erste Notiz zu Beginn hat mich strahlen lassen!)

    Ich finde es unglaublich wichtig, sich mit seinem eigenen Körper auseinanderzusetzen und ihn zu verstehen. Großen Daumen nach oben also für solche Apps, die das unterstützen ♥

  • Magda says:

    Oh ja, die App ist super. Ich hab echt einige ausprobiert und das ist mein Favorit. Auch vom Design und der Handhabung her klasse. :)

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