Voll so gar nicht

IMG_9826Ariane hat mich auf Katjas Ode an das Unperfektsein aufmerksam gemacht. Sie zählt zehn Dinge auf, die sie nicht kann. Das bringt mich ins Grübeln: Welche Dinge kann ich absolut nicht? Welche würde ich gerne können? Welche Unzulänglichkeiten sind mir egal?

1. Routinen einhalten

Das fängt bei Tagesabläufen an, geht beim Bloggen weiter und hört beim gesunden Lebensstil auf. Montags nehme ich mir vor, regelmäßig Sport zu machen und mich gesund zu ernähren. Das halte ich bis Mittwoch durch, pausiere fünf Tage und fange dann für drei Tage wieder damit an. Oder ich habe drei Wochen, in denen ich besonders viel und kreativ blogge und stürze dann wieder für zwei Wochen in ein schöpferisches Tief. Ich halte Dinge nicht ununterbrochen durch. Aber das ist okay. Schließlich tue ich so immer genau das, was mir in dem Moment gut tut.

2. Einen konstistenten Geschmack entwickeln

Manche Menschen haben einen bewundernswerten Geschmack und eine Stilsicherheit, die sie unverwechselbar macht. Ich nicht. Heute liebe ich Blümchenkleider, morgen trage ich am liebsten schwarz und übermorgen finde ich schlichte Eleganz toll. Das geht bei der Fotografie weiter. Gut lässt sich das zum Beispiel an meinem Instagram-Account ablesen. Ich habe keinen dieser Accounts, bei denen jedes Bild sich perfekt in die Galerie einfügt. Nö. Da steht Kitsch neben Lässigkeit neben Foodcontent. Hier auf dem Blog sieht man das ebenfalls. Mir wurde jetzt schon ein paar Mal gesagt, ich hätte ein riesiges Themenspektrum. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das gut finden soll (Wie seht ihr das?). Aber so bin ich einfach. Ich kann mich hervorragend über Politik aufregen, um gleich danach Blümchenbilder zu posten und als nächstes über letzte Reise zu philosophieren.

3. Mich zufrieden geben

Und zwar nicht à la “Ich bin sooo perfektionistisch, schaut her, ich verpacke eine Stärke ganz bescheiden als Schwäche”. Nein. Ich bin der klassische “Das Gras auf der anderen Seite ist grüner”-Typ. Ich bin absolut schlecht darin, zu akzeptieren, dass manche Dinge nicht geändert werden können. Ich will mich nicht festlegen. Am liebsten alle Optionen offen halten. Das ist anstrengend.

4. Streiten

In einer Beziehung streite ich mich oft und mit Leidenschaft. Okay. Aber wenn zwischen Freundinnen eine schlechte Stimmung herrscht, dann schlägt mir das auf den Magen. Ich hasse Zickereien. Ich hasse unausgesprochene Konflikte. Das bereitet mir fast körperliche Schmerzen. Noch schlimmer ist es in der Familie. Streit mit meinen Eltern führt dazu, dass ich an nichts anderes mehr denken kann und mich extrem schlecht fühle. Ein Zustand, der mich so sehr berührt und fertigmacht, dass es nicht auszuhalten ist. Zum Glück passiert das seit der Pubertät kaum noch – der letzte große Streit ist ein paar Jahre her und ich versuche alles, um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt.

5. Einkäufe planen

Wenn ich einkaufen gehe, überlege ich mir meist, was ich die nächsten drei Tage brauche. Doch bereits am zweiten Tag sind diese Pläne wieder über den Haufen geworfen. Ich vergesse, dass ich noch diesen geilen Spargelkäse im Kühlschrank liegen habe und kaufe mir aus Hunger eine neue Packung Froot Loops. Nur um danach den Käse wiederzuentdecken. Und beim nächsten Mal zu merken, dass ich ja noch was von dem leckeren Sojajoghurt mit Blaubeeren habe. Mist, aber Obst dafür habe ich jetzt nicht spontan parat. Das rächt sich natürlich vor allem am Sonntagabend und am Montagmorgen. Ich schaffe es einfach nicht, einen Überblick über meine Lebensmittel zu behalten und vernünftig und regelmäßig einzukaufen.

6. Regelmäßige Mahlzeiten

Ebenso wie ich völlig unorganisiert einkaufe, esse ich auch unvernünftig. Meistens nehme ich mir vor, wieder regelmäßiger zu essen, weil das meinem Rhythmus und meiner Gesundheit viel mehr bringt, als um 13 Uhr das erste Nutellabrot und als nächstes um 16 Uhr eine riesige Pizza zu essen. Ich esse mit Vorliebe gesund und frisch. Aber manchmal vergesse ich es oder habe – siehe Punkt 5 – gerade nichts Verwertbares im Kühlschrank. Zum Glück hilft dabei die Mensa, die mir wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag einbringt. Und wie ich bemerkt habe, ist ein gesundes Frühstück extrem wichtig, um in die Gänge zu kommen und den Tag organisiert anzugehen.

7. Mein schlechtes Gewissen vertreiben

Lange schlafen, mal einen Nachmittag nichts tun, den Sport zwei Wochen schleifen lassen. All das mache ich wirklich oft – und mache mir dabei ein furchtbar schlechtes Gewissen. Das ist oft auch berechtigt, wenn ich prokrastiniere. Oder wenn draußen supergutes Wetter ist und ich drinnen hocke und Youtube-Videos gucke. Aber manchmal muss man die Dinge auch mal locker angehen und sich nicht für jede Stunde Chillen fertigmachen. Mein schlechtes Gewissen ist mein größter Produktivitätsfeind.

8. Regelmäßig kommentieren

Ich weiß, dass das Kommentieren auf anderen Blogs eine wichtige Networking-Geschichte ist. Ich weiß, dass einige meiner Leserinnen durch Kommentare hierher gefunden haben. Ich weiß auch, dass ich mich selbst jedes Mal wie eine Schneekönigin freue, wenn jemand hier kommentiert – neue wie alte Leserinnen. Und doch kommentiere ich furchtbar selten. Liv beispielsweise hat für sich die Lösung gefunden, dass sie sich jeden Sonntag eine Stunde Zeit nimmt, um überall ausführlich zu kommentieren. Auch zwischendurch mal einen Kommentar zu schreiben, scheint nicht aufwändig. Das dauert maximal zwei Minuten. Trotzdem schaffe ich es nicht. Punkt 1 lässt grüßen.

9. Zeichnen

Schreiben, fotografieren, Bilder bearbeiten – ich würde nicht behaupten, dass ich unkreativ bin. Was sich allerdings völlig meinen Fähigkeiten entzieht, ist das Zeichnen. Ich weiß nicht, was meine Hände an sich haben, dass ein Elefant hinterher eher wie eine dicke Giraffe aussieht oder dass Perspektiven und Proportionen völlig falsch geraten. Aber Fakt ist – Zeichnen überlasse ich lieber anderen Leuten.

10. Rechtschreibfehler ignorieren

Hier schließe ich mich Ariane an. Ist in irgendeinem Text ein Rechtschreibfehler oder steht da ein Komma zu viel, kann ich das nicht ignorieren. Mir unterlaufen auch ständig Flüchtigkeitsfehler – ist ja klar – aber bei manchen Menschen sieht man, dass diese Fehler immer wieder passieren und am liebsten würde ich sie darauf hinweisen, wenn es nicht unhöflich wäre. Aber Leute, es heißt weder Planten un “Bloomen”, noch kann man “dass” und “das” beliebig einsetzen. Und jetzt checke ich erstmal diesen Text.

 

6 Comments

  • Marsha says:

    Weil Kommentieren wichtig und gut und schön ist und ich mich auch immer über einen Kommentar freue, lasse ich dir jetzt einen hier!
    Ich konnte mich in vielen Punkten wieder finden und finde dich jetzt noch sympathischer als eh schon. Und das, obwohl ich dich bisher nur gelesen habe! Und ich mag deinen Blog. Und jetzt hab ich mal ein paar nette Dinge losgelassen, wie schön.

  • Ronja says:

    Ein klasse Post! Da musste ich auch direkt kommentieren :) Und zum Grübeln komm ich auch, was ist es eigentlich was ich nicht kann? Da werde ich jetzt mal drüber nachdenken.
    Liebe Grüße,
    Ronja

    P.s. Das mit dem schlechten Gewissen kenne ich sehr sehr gut! Mir geht es nämlich auch oft so, wenn ich mal unproduktiv rumlümmel – schwupp schlechtes Gewissen da.

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