Vakuum.

vino

Vakuum, das: (bildungssprachlich) das Nichtausgefülltsein, Leere

Am Freitag, den 9. August saß ich nichtsahnend (aber viel hoffend) am Küchentisch und aß Schwarzbrot mit Kichererbsen-Ingwer-Aufstrich, dazu gabs einen schwarzen Kaffee. Um kurz nach 9.00 Uhr knallte die Post durch den Briefschlitz auf den Boden. Die nächsten zehn Minuten waren ausgefüllt mit Quietschen, Hüpfen, Abklatschen, durch die Wohnung rennen, eskalieren. Es lag nicht am Kaffee.

Mein Zulassungsbescheid für Leipzig war ENDLICH angekommen – sogar eigentlich ziemlich früh muss man sagen. Leipzig war meine Favoritenstadt, ich hatte mich auch in Berlin, Hamburg, Bremen und Lüneburg beworben und keine einzige Absage bekommen. Nach Berlin wäre ich auch freudestrahlend gegangen, aber Leipzig ist eben… Leipzig.

Perfekte Größe zum Studieren. Studentenstadt. Tolle Uni. Kulturell viel los, Boomtown, der heiße Scheiß. Mein Hypezig lob’ ich mir.

Am darauffolgenden Dienstag saß ich morgens im ICE. Der Plan: Ein WG-Zimmer finden und mich immatrikulieren. Beides ging voll auf: Gleich die erste WG, die ich mir anguckte, wurde es. Am 13. September ziehe ich um. Und immatrikuliert ist meine werte Person jetzt auch.

Am Sonntag zogen wir aus unserer Wohnung aus. Das hieß also: Die Tage davor ackern, packen, schrauben, hämmern, fluchen. Sonntagabend, als wir dann ins Bett bei meinen Eltern fielen, waren wir noch so vollgepumpt mit Adrenalin, dass an Schlaf nicht zu denken war.

Montag war Schlüsselübergabe, schmerzhafter Abschied von unserer Wohnung, unserem Zuhause der letzten zweieinhalb Jahre.

Dienstag hieß es, noch allerlei organisieren und vor allem: die letzten gemeinsamen Stunden genießen.

Denn Mittwoch flog Jan nach Uppsala, um dort die nächsten zwei Jahre mit seinem Master zuzubringen.

Und jetzt: Vakuum.

Ich bin froh, endlich durchatmen zu können, wieder Zeit für mich zu haben, Dinge in Ruhe erledigen zu können. Dafür gibt es keinen besseren Platz als bei meinen Eltern.

Und dennoch kann ich es nicht abwarten, endlich, endlich nach Leipzig zu ziehen.

Ich freue mich auf tolle Mitbewohner. Auf ein entspanntes WG-Leben. Auf Studentenparties. Auf neue Bekanntschaften, die zu Freundschaften werden. Auf Open-Airs. Auf ein Studium, das mich herausfordert, interessiert, erfüllt. Aufs Lernen! Auf verregnete Sonntage im Bett mit Serien und Freunden. Auf die Stadt “von der keiner so richtig loskommt”. Auf Fahrradtouren, auf Weihnachtsmärkte, auf alles was die Umgebung zu bieten hat. Auf ein neues Lebensgefühl. Ich freue mich sogar darauf, Karteikarten zu kaufen (Bin ich die Einzige, die es liebt, Büromaterial zu kaufen? Textmarker, Post-its, Collegeblöcke, Ordner… Toll!).

Und vorher: Vakuum.

Bis das Jahr, das bisher unheimlicherweise genau so verlaufen ist, wie ich es mir vorgestellt, geplant, gewünscht, erhofft hatte, in die zweite Hälfte gehen kann.

2 Comments

  • Christiane says:

    Ach, so toll geschrieben! Manchmal tut ein Vakuum auch gut – wenn man es nutzt, um Kraft zu tanken und sich auf Neues einzustellen, soweit das geht. Ich wünsche dir ganz viel Glück für deinen Start in Leipzig!
    Liebe Grüße

  • jonicamole says:

    Oh ja. Ich liebe Büromaterial. Könnte mich mit Post-Its, Büroklammern, Füllern (!) und schniecken Finelinern eindecken. Jedes Mal, wenn ich eigentlich nur Druckerpapier kaufen will ;)

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