The Travel Episodes – Geschichten von Fernweh und Freiheit

IMG_0300

Ich liebe Reisereportagen! Reiseblogs! Reise-Instagramaccounts! Und manchmal meide ich sie wie der Teufel das Weihwasser. Nicht weil sie mir nicht gefallen, nein nein, sie gefallen mir sogar gut – meist viel zu gut. Manchmal so gut, dass in mir der grüne Neid aufglimmt. Ein grünes Flämmchen, das dann und wann flackert und kleine Kobolde hervorbringt, die mir ins Ohr flüstern “Das hättest du jetzt auch gern, hm? Tja, PECH: Du hast es aber nicht!”. Das ist natürlich Unfug, denn erstens habe ich schon wunderbare, abenteuerliche, unvergessliche Reisen gemacht und zweitens liegen mit Sicherheit noch viele davon vor mir.

Meist überwiegt jedoch das Fernweh und ich gebe mich den Reiseabenteuern anderer Menschen allzu gern hin – zum Beispiel auf Reisedepeschen oder der Plattform Travel Episodes. Beide Seiten betreibt Johannes Klaus, der – selbst natürlich passioniertester Reisender – nun einige der bemerkenswertesten Reportagen auch in Printform veröffentlicht hat. Hier habe ich bereits angemerkt, dass ich das Buch gern einmal lesen möchte und in den letzten Wochen habe ich das auch getan. Ausgiebig. Lange. Mit riesiger Freude. Es ist in drei Teile aufgeteilt: Abwegige Landpartien, Gewagte Unterfangen und Innere Stimmen.

IMG_0303

Es wechseln sich waschechte Abenteuerlichkeiten mit inneren Reflexionen über das Reisen und das Tourist-Sein ab. Die Berichte reichen von Oberbayern nach Ecuador und von den Nordfriesischen Inseln in die Antarktis. Auch ein Bericht von der lieben Ariane von Heldenwetter ist dabei – ich habe sehr gern gelesen, wie sie aus kurfristiger Geldnot in einer Hare-Krishna-Gemeinde Unterschlupf findet und dabei nie den Humor verliert. Ich habe die Geschichten aus Lettland aufgesogen, einem Land, mit dem ich mich bisher eher weniger beschäftigt habe und dessen Kultur unglaublich liebevoll beschrieben wird. Ich habe mich andererseits auch über Geschichten geärgert, in denen Reisende nur ihrer eigenen Abenteuerlust wegen auch Einheimische in Lebensgefahr gebracht haben. Ich habe gestaunt über den Mut, zwei Jahre lang zu zweit im Unimog zu leben und sich dabei völlig auf das Gefährt zu verlassen. Und ich war fasziniert von den Abenteuern, die zwei der Autoren auf einer Antarktisreise erlebt haben. Das ewige Eis, die Falklandinseln, Kap Hoorn und Südgeorgien: Ein fast unwirklicher Traum.

IMG_0310

Was mir besonders gut gefallen hat, ist durch die Idee des Buches bedingt: Jede Geschichte hat ihren eigenen Stil, jeder Autor seine eigenen Reflexionen und jede Reise ihr eigenes Ziel. So durchlebt man mit der Lektüre eines einzigen Buches hundert verschiedene Emotionen, fühlt sich immer neu in Kulturen ein, begegnet ihnen auf zig unterschiedlichen Ebenen und reflektiert zwischendurch auch selbst: Wie hätte ich in dieser Situation reagiert? Wäre ich dieses Risiko eingegangen? Und wenn auch eine dreitägige Fahrradtour durch die Rocky Mountains nichts für mich ist, so erlebe ich sie unglaublich nah mit.

Dieses Buch ist eine absolute Empfehlung für alle, die sich nicht nur an Sehenswürdigkeiten entlang hangeln und dabei ihren eigenen Reisestil finden und reflektieren wollen. Oder einfach für die, die nicht genug von dem Abenteuer bekommen können, das das Reisen so mit sich bringt.

Johannes Klaus (Hrsg.): The Travel Episodes. Geschichten von Fernweh und Freiheit. Malik / National Geographic Society, 347 Seiten, 14,99 €

IMG_0302

 

[Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

1 Comment

  • Ariane says:

    Was für eine schöne Rezension :) Und vielen vielen Dank für die Erwähnung! Meine Lieblingsgeschichten sind ja “So chaotisch bin ich noch nie gereist” von den Philippinen und “The big five” aus Südafrika. Aber irgendwie hat jeder Text seinen Reiz, das ist das Schöne am Buch!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>