[Schöne Aussicht] Einfach machen!

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Mittwochmorgen, ausreichend Kaffee und jetzt kommt auch noch die Sonne hervor. Hannes, Matze und Alexandra von Take a shot sitzen mit mir im Café und plaudern über UV-Filter, Unternehmenskultur und das einfach machen. Das studentische Label aus Leipzig entwirft Sonnenbrillen: Jedes Modell besitzt Holzbügel, hat einen Namen aus einer bekannten Geschichte (wo kam wohl die Idee zu Lukas und Emma her?) und zeigt einen ganz eigenen Charakter. Aber eigentlich sind wir hier, um über etwas anderes zu sprechen: Wie fühlt es sich an, im Studium zu gründen?

Bauchgefühl – wieder einmal

Schon als ich ein bisschen von den ersten Teilen der [Schöne Aussicht]-Reihe erzähle (“Zum Beispiel habe ich darüber geschrieben, wie wichtig das Bauchgefühl ist”), ist klar – wir verstehen uns. Alle drei fangen an zu lachen: “Wir entscheiden fast alles nach Bauchgefühl. Alleine die Idee, zu gründen, entstand aus einer Laune heraus. Wir waren gerade aus unseren Auslandssemestern zurückgekommen, als Matze mich anrief und fragte, ob ich Lust hätte, was zu machen. Und so entstand auch unsere Philosophie: Take a shot! Machs einfach”, erzählt Hannes. Wichtige finanzielle Entscheidungen werden jedoch mit dem Kopf getroffen: “Alleine, weil wir jetzt Verantwortung für zwei Mitarbeiter haben”. Zum Beispiel für Alexandra, die als Werkstudentin für PR und Marketing bei dem jungen Label zuständig ist.

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Verantwortung und Freiheit

Der Traum der Selbstständigkeit mit allen verfügbaren Freiheiten scheint verlockend. Und das sind nicht nur die Arbeitszeiten: Auch die Werte, die das eigene Unternehmen prägen, beeinflusst man selbst. Die ganze Unternehmenskultur, der Umgang miteinander, die Entscheidungsfreiheit: Am Anfang ein weißes Blatt und die Farben sucht man sich selbst heraus. Doch wie sieht die Kehrseite aus? “Es gibt ja diesen abgedroschenen Spruch ‘selbst und ständig’ – das ist wirklich so. Wenn irgendwas gemacht werden muss, dann wird es eben noch gemacht. Auch wenn es Sonntag ist oder mitten in der Nacht. Das ist aber auch in Ordnung so. Es sind unsere Werte, unsere Ideen, unser Baby – deswegen ist es eben auch cool”, sagt Hannes. Und Matze wirft ein: “Wenn ich mich hinsetze und was mache, dann weiß ich genau: Es hat die und die Auswirkungen. Ich schiebe Prozesse an und merke ganz genau: Wenn ich hier was in Gang setze, dreht sich dort das Rädchen und später kommt das Ergebnis heraus. Das ist eine komplett andere Motivation”.

Gerade den Luxus, die eigene Unternehmenskultur gestalten zu können, finde ich besonders spannend. Die eigenen Werte leben zu können und einen unternehmenseigenen Teamgeist zu schaffen, ist für mich der Inbegriff von Selbstverwirklichung. So sieht das auch Hannes: “Das coole ist einfach, dass alles, was wir mit Take A Shot transportieren, auch von uns selbst kommt. Wir sind keine künstlich geschaffene Marke, sondern setzen einfach das um, wovon wir auch selbst überzeugt sind”. Dabei stelle ich es mir herausfordernd vor, die Balance zwischen Geschäftsleben und eigener Überzeugung zu finden.

Eine steile Lernkurve

Mit dem eigenen Label kamen auf Matze und Hannes auch Herausforderungen zu, von denen andere Studenten oft noch längst nicht berührt werden. Es geht dabei um die verantwortungsvolle Auswahl der verwendeten Materialien für die Bügel (Tropenhölzer sind tabu), die Besichtigung der Produktionsstätten, um sicherzustellen, dass unter fairen Bedingungen produziert wird und die Einhaltung von EU-Richtlinien zum UV-Filter der Gläser. Was gute Beziehungen zu Produzenten und Geschäftspartnern ausmachen können, lernt man nicht im Studium – sondern wenn man gemeinsam um den Restauranttisch sitzt, mit ein paar Wörtern in der Landessprache beeindrucken kann und regelmäßig den Kontakt pflegt.

IMG_0260Nein, das ist keine Boy- oder Girlband. Auch wenn es auf diesem absolut gar nicht gestellten Bild vielleicht so aussehen mag. Aber Matze, Alexandra und Hannes hatten sehr viel Spaß bei unseren Mini-Shooting.

Neben den geschäftlichen Details, die Tag für Tag ausgehandelt werden müssen, hat mir das Gespräch mit den Gründern von Take A Shot eines gezeigt: Manchmal muss man es einfach versuchen. Hat man eine gute Idee, die Leidenschaft weckt, dann ist es lohnenswert, sie auch umzusetzen. Hannes und Matze betonen beide, dass die Zeit im Studium für sie ideal zum Gründen war – dass aber auch der Support aus dem Freundeskreis und der Familie eine riesige Rolle gespielt hat. Bei finanziellen Entscheidungen den Kopf einschalten und sonst das Bauchgefühl das Ruder übernehmen lassen – für die beiden ideal. Dabei will ich nicht außer Acht lassen, dass diese relative Entscheidungsfreiheit auch eine gewisse soziale und wirtschaftliche Absicherung voraussetzt.

That being said: Go for it! Setzt eure Ideen um und macht einfach.


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In meiner Serie [Schöne Aussicht] beschäftige ich mich regelmäßig mit der Frage, wie wir Entscheidungen angehen können. In jedem Artikel nehme ich mir ein Thema vor, das euch und mir hoffentlich hilft, in dem ganzen Gewusel aus Uni, Arbeit, Reisen, Sozialleben und generellen Lebenskrisen einen der vielen Wege zu finden, die uns glücklich machen können. Diskutiert, teilt eure Tipps mit und gebt mir gern reges Feedback – auch wenn es ein bestimmtes Thema gibt, das ihr gern behandeln möchtet!

 

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[Die Sonnenbrillen habe ich von Take A Shot zur Verfügung gestellt bekommen]

 

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