Nun also wieder Hamburg.

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Nun also wieder Hamburg.

Wie schnell es ging. Wie unerwartet es kam und wie gut es sich anfühlt. Wie sehr es erleichtert und wie viele Fragen es aufwirft.

Nun also wieder Hamburg.

Drei Jahre zwischen Norden und Osten. Zwischen HH und L, mit Stationen in B. Drei Jahre des Gewöhnens an den Zustand, nur noch halb zur Heimatstadt zu gehören. Drei Jahre der Eingewöhnung in das Leben in der anderen Stadt. Drei Jahre Herzklopfen bei der Einfahrt in Leipzig, drei Jahre Herzbrechen bei der Ausfahrt aus Hamburg.

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Nun also wieder Hamburg.

Mit gemischten Gefühlen, so wie von beiden Welten etwas genommen und in den Thermomix gesteckt, irgendwas angestellt und etwas Unbekanntes herausgeholt. Mit Melancholie zurückschauend und sowas wie zärtliche Liebe empfindend für dieses Leipzig, das mich so beschäftigt, so berührt, so müde gemacht und so verzückt hat. Für dieses Leipzig, in dem der Sommer dreimal idyllischer scheint. In dem die Übersichtlichkeit der Stadt manchmal erdrückt und manchmal beruhigt. Dieses Leipzig, das auch Winter erträglich macht, durch die Gemütlichkeit der Gassen und die Idylle der Passagen und Hinterhöfe. Dieses Leipzig, das so stolz ist auf sich selbst und das so viele Lebensrealitäten in sich vereint, dass man sich manchmal fragt, wie das überhaupt funktionieren kann.

Nun also wieder Hamburg.

Und zurückblickend auf die Menschen, die ich hierlasse. Auf die Charaktere und Persönlichkeiten, die mich veränderten, meine Weltsicht und meinen Horizont vergrößerten. Die mir Mut machten, mich aufbauten und mir die Energie verliehen, mich weiterzuentwickeln. Die Menschen, die mich an die Hand nahmen und die Menschen, die genau wussten, wann sie ohne große Worte mit dem Schnaps in der Hand vor meiner Tür stehen mussten. Die Menschen, die mich in ihrem Bett haben weinen lassen und mir dann das Eis in die Hand drückten. Die Menschen, die sich mit mir in Connewitz die Nächte um die Ohren schlugen und in diesen Nächten nur wir zwei waren, ohne das auszusprechen und stattdessen lieber einen Pfeffi mehr tranken. Die Menschen, die mit mir nachmittagelang Serien schauten und Schokocreme löffelten. Die Menschen, die mit ihrem Umzug hierher eine ganze Welt veränderten. Die so viel in mir taten, dass es auszuschreiben ganze Jahre dauern würde. Die Menschen, die mich herauszogen aus Situationen, die mir nicht gut taten und mich unter den Arm nahmen und mich dabei unterstützten, Dinge zu ändern. Die Menschen, die vielleicht gar nicht wissen, wie sehr sie mich gerettet haben. Die Menschen, die es verdient haben, dass ich ihnen und ihrer Katze die Welt zu Füßen lege. Die Menschen, die sich alles anhörten, den ganzen Seelenrotz vor unzähligen Kaffees, Burgern und Bieren mit mir teilten. Die Menschen, die heiße Sommertage am See und im Park so sehr genossen wie ich und die Menschen, die mit mir freudestrahlend über Hausdächer liefen, weil die eine Sache so glücklich machte. Die Menschen, die plötzlich da waren, ohne dass ich sie gerufen habe, die sich vorher versteckt zu haben schienen und auf einmal auftauchten und mich und mein Leben auf den letzten Metern auf den Kopf stellten.

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Nun also wieder Hamburg.

Und doch nicht. Noch nicht. Noch will ich auskosten, noch will ich jeden Tropfen dieses Leipzigs auspressen und aufsaugen. Noch will ich hier Sommer haben, noch will ich jedem einzelnen Menschen hier sagen, wie viel er mir bedeutet und mit jedem mindestens einen Pfeffi trinken. Noch will ich die Hoffnung behalten, dass die Zeit in Leipzig nicht vorbei ist, sie ist in Zukunft nur anders aufgeteilt, auf Wochenenden oder spontane Besuche. Noch will ich mit Menschen Pläne für die Zukunft schmieden und uns gegenseitig versichern, dass es weitergeht, weitergehen muss, dass eine Zukunft in Hamburg nicht gleichbedeutend ist mit einem Abschied von Leipzig oder wenigstens, dass das Etwas zwischen Menschen auch in zwei Städten sein kann und passieren kann und weitergehen kann. Noch weiß ich ganz sicher, dass Freundschaften bestehen und dass sie durch das Verschwinden der Unmittelbarkeit noch intensiver werden können. Noch möchte ich festhalten an den Sommernächten, an der Sachsenbrücke, an den Abenden am See, an den heißen Nachmittagen vor den Spätis mit dem Bier in der einen und der Zigarette in der anderen Hand, an den Radtouren durch den Wald und an den langen Gesprächen auf meiner Fensterbank.

Erstmal also noch ein bisschen Leipzig.

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