Notizen zu… Studienfächern.

Seit ungefähr sechs Jahren bin ich volljährig. Das heißt zwar nicht, dass ich mich rund um die Uhr auch so verhalte, aber zumindest, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffen kann.

Ich treffe manche Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Manche bereite ich sorgfältig vor. Manche Entscheidungen sind rational und manche weisen doch einen erheblichen Mangel an Begründungen auf. Manchmal ist es nur ein Gefühl, das mich zu einer Entscheidung leitet. Manchmal ist es das Erstreben eines ausgemalten Zustandes, was mich dazu bringt, eine bestimmte Entscheidung zu treffen. Manchmal hole ich alle erdenklichen Quellen hervor, schreibe Pro- und Contra-Listen, betrachte Worst-Case-Szenarien. Einige Entscheidungen würde ich später nicht mehr so treffen. Einige lassen mich (aber nur imaginär, weil alles andere lächerlich aussehen würde) mich selbst auf die Schulter klopfen.

Eines haben diese Entscheidungen aber gemeinsam: Sie sind meine eigenen. ICH treffe sie eigenverantwortlich. ICH habe die Folgen zu tragen. ICH bin diejenige, die “take” oder “toss” sagt. ICH leite sie in die Wege. Und ich traue mir durchaus zu, ordentliche Entscheidungen zu treffen.

Warum gibt es dann trotzdem ständig Menschen, die versuchen wollen, ihre unerwünschte Meinung zu meinen Entscheidungen abzugeben? Ich spiele auf ein besonderes Thema an und jeder aktuelle oder ehemalige Student wird es wiedererkennen:

Egal, und ich betone: EGAL welches Studienfach du dir aussuchst – es ist das Falsche. Du kannst dort keine richtige Entscheidung treffen! Dein Onkel, die Freundin deiner Mutter, deine ehemalige Klassenkameradin und der komische Typ, den du auf der letzten WG-Party in der Küche kennengelernt hast und der dich 30 Sekunden später mit Bier bekleckerte – sie alle wissen es in jedem Fall besser als du. Natürlich! Sie kennen dich, dein Leben und – noch wichtiger – die Gesamtsituation viel, viel besser als du selbst (Dies trifft irgendwie auch gerne zu, wenn ältere Männer auf jüngere Mädchen treffen und denen mal erzählen wollen, wie sie ihre Entscheidungen zu treffen haben).

Als ich BWL studierte, hatte ich teilweise das Gefühl, da wäre eine Schallplatte hängengeblieben: “Dir ist anscheinend nichts Besseres eingefallen”, “Das was alle machen”, “Wie langweilig”.

Witzige Geschichte: Das Gleiche höre ich jetzt, bei Kommunikations- und Medienwissenschaften, auch!

Es scheint so zu sein, dass sämtliche Studenten ihr Studienfach nicht aus Interesse oder anderen legitimen Gründen wählen, sondern nur, um sich dumme Kommentare anhören zu dürfen. Und es scheint so, dass sich wirklich jeder zu diesen dummen Kommentaren berufen fühlt!

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Da ich Erfahrungen aus anderen Studienfächern hören wollte, fragte ich im Bekanntenkreis und auf Twitter nach gängigen Vorurteilen. Das Ergebnis? Seht selbst:

MINT:

Lehramt:

Umwelt & Nachhaltigkeit:

Umweltwissenschaften: “Das ist auch sowas, womit man hinterher nichts wirkliches kann, oder?” / “Seid ihr alle Veganer?”

Sustainable Development: “Was heißt Sustainable denn?” – “Achso, nachhaltig. Ja, das ist ja auch grade so ein Modewort. Viel bla bla und nichts dahinter, oder?”

Geisteswissenschaften:

Medizin:

Angehender Medizinstudent wird regelmäßig gefragt: “Hast du dich eingeklagt?” / “Warts ab, nach drei Monaten wirst du dein Studium abbrechen”

Zahnmedizin: “Ach, du wirst Zahnarzthelferin?”

Psychologie:

“Ihr Psychologen studiert das doch nur, weil ihr selbst einen an der Klatsche habt”

BWL:

“Das was alle machen” / “Schweine-BWLer” / “Ist dir nichts Besseres eingefallen?” / “BWL ist eigentlich nur gesunder Menschenverstand, wirklich schwierig ist das nicht” / “Gegen VWL ist BWL ein Witz”

Die beste Unterhaltung, die ich bzgl. Studienfächern hatte, lief übrigens so ab:

ER (um die 50): “Was willst du denn studieren?”

ICH (23): “Kommunikations- und Medienwissenschaften”

ER: “Irgendwas mit Medien?? Das macht doch jeder! Mach lieber was Ordentliches”

ICH: “Was denn so zum Beispiel?”

ER: “BWL!”

ICH: “Ja… Habe ich bereits abgeschlossen”

– Unterhaltung beendet -

7 Comments

  • Janet says:

    Mein Begleitfach wird Germanistik/vergl. Literaturwissenschaft/Kulturwissenschaft sein und – Achtung – mein Kernfach Philosophie und ich will – Doppelachtung – es nicht auf Lehramt studieren. Also ja, einfach nur: Ja!

  • Lina, ich habe heute Deine Email wiedergefunden – und Dir nie gewantwortet. Ich habe ganz ein schlechtes Gewissen, bitte verzeihe mir. Aber Deinem Beitrag entnehme ich, dass du Dich schon fleißig deiner Studienfachwahl auseinandersetzt ;) Ich durfte mir diese Kommentare zu Studienbeginn auch anhören – jetzt, mit beiden Füßen im Berufsleben stehend, kann ich einige zumindest nachvollziehen: Es studieren tatsächlich viele Leute was geisteswisschaftliches oder “was mit Medien” die sich danach mit doofen Jobs rumschlagen müssen, weil es einfach nicht genügend tolle Traumjobs gibt. Andererseits gibt einem wirklich nur das Studium im Leben die Gelegenheit sich so ausführlich mit dem eigenen Interessegebiet zu beschäftigen.

    • schlimes says:

      Ach, kein Problem :) Ich hab inzwischen ein schönes WG-Zimmer gefunden :)

      Ich versteh auch, worauf diese Kommentare abzielen und ich kenne ja die Problematik mit den Geisteswissenschaften. Ich finde es nur immer wieder bemerkenswert, dass sich 1. jeder dazu berufen fühlt, deinen Studiengang zu kritisieren und dass es 2. auch in allen möglichen anderen Studiengängen passiert (die dann eventuell viel bessere Berufsaussichten bieten, aber dann muss eben etwas anderes kommentiert werden).

  • Lucie says:

    Die beste Reaktion auf meine Entscheidung zum Medizinstudium kam von meiner damaligen Nachbarin, selbst Psychiaterin, die mir einen Artikel in den Briefkasten warf zum Thema “Suizid/Depression/Drogensucht bei Ärzten”. Ich war selten beeindruckt xD

    • schlimes says:

      Oh man… Manchmal meinen es Leute auch einfach zu gut.
      Als ich mit meinem Bachelorstudium anfing, legte mir ein Kollege kommentarlos einen Artikel auf den Schreibtisch, der die Sinnlosigkeit des Bachelors, die schlechten Berufsaussichten und die bemitleidenswerte Situation der Studenten besang.
      An sich meinte er es bestimmt nicht böse und der Artikel enthielt auch einige Wahrheiten – aber irgendwie kommt das nicht gerade gut ;)

  • Ariane says:

    Hehe, da steckt sehr viel Wahrheit drin. Vor allem als Sozial-/Geisteswissenschaftler darf man sich ja sehr viel anhören. Also, ich zumindest. Eigentlich kommen intelligente Kommentare oder Meinungen zu meinem Studienfach fast nur von Leuten, die selbst etwas Ähnliches studieren…

    Danke für deinen lieben Kommentar! Ja, das sehe ich auch so. Aber länger als zwei Wochen möchte ich auf keinen Fall alleine reisen, das habe ich in Spanien/Portugal nun auch gemerkt. Schöner ist es doch irgendwie, jemanden zu finden, mit dem man gut reisen kann. Wenn jeder etwas unterschiedliches vorhat, kann man sich dann ja auch mal für einen oder zwei Tage trennen und dann wiedertreffen. Aber es war eine ganz wichtige Erfahrung für mich, alleine zu reisen und zu merken, dass ich alles alleine schaffe :)

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