Monatsrückblick: November 2014

IMG_8617

Das Privileg der Jugend ist es doch, dass sie von Zuhause weggehen kann, ihr Leben ändern kann und gleichzeitig erwarten darf, dass sich Zuhause nichts ändert

Dieses Zitat stammt aus einer Diskussion, die ich neulich hatte und seitdem ging es mir nicht mehr aus dem Kopf.

Ich ziehe von Zuhause aus und in eine neue Wohnung ein. Ich reise, ich verlängere spontan meinen Aufenthalt, ich kehre zurück. Ich gehe Beziehungen ein und trenne mich wieder. Ich kündige Jobs, ich ziehe in neue Städte, ich schlage komplett neue berufliche Richtungen ein. Ich schreibe mich an der Uni ein, ich schmeiße das Studium. Ich ändere meinen Kleidungsstil, ich tätige unvernünftige Käufe, ich werfe meine Lebensplanung über den Haufen.

Ich komme nach Hause als veränderter Mensch – in eine Umgebung, die seit 25 Jahren die gleiche geblieben ist. Hier ist Sicherheit, hier ist Geborgenheit. Alles hat seinen Platz. Mein Zimmer riecht noch so wie vorher (auch wenn es mittlerweile mit Kram zugestellt ist), morgens steht die Kanne mit Kaffee in der Küche, auf dem Couchtisch liegen ausgelesene Zeitungen und im Kühlschrank finde ich jederzeit frische Bio-Milch. Da sind meine Eltern, da sind meine Geschwister, da ist unser Garten, unsere Nachbarschaft, meine Heimatstadt.

Und wenn Mama oder Papa sich einen neuen Job suchen, irgendwann in Rente gehen, vielleicht umziehen möchten, vielleicht regelmäßig die Winter in Andalusien verbringen wollen. Wenn das Haus renoviert wird, wenn mein Bruder endgültig auszieht, wenn aus meinem Zimmer ein Fitnessraum gemacht wird. Wenn das Haus irgendwann nicht mehr existiert oder jemand anderes darin wohnt.

Dann muss ich damit klar kommen, dass Dinge sich ändern. Und ich habe keinen Masterplan dafür. Ich mag Veränderungen. Eigentlich bin ich ganz gut im Veränderungen akzeptieren, noch besser sogar im Veränderungen herbeiführen. Aber Moment – vielleicht bin ich das auch nur, weil ich das Privileg besitze, dass ich von Zuhause weggehen kann, mein Leben ändern kann und gleichzeitig erwarten darf, dass sich Zuhause nichts ändert.

Keinen Masterplan zu haben kann auch Angst machen.

 

Was noch passierte.

Gele­sen habe ich Gedichte.

Geär­gert habe ich mich über extrem schlechten Service im Restaurant. Normalerweise bin ich da entspannt, aber das war schon an der Grenze.

Gefreut habe ich mich über den Heimatbesuch, die Erkenntnis, dass Statistik vielleicht doch nicht so scheiße ist und zwei Freundinnen-Reunions: Eine in Hamburg und eine in Leipzig.

 

Processed with VSCOcam with f2 preset

 

Geges­sen habe ich Galette, selbstgemachtes Sushi, Avocadotoast mit Pistaziencreme, Ofenpommes mit Koriander und Knoblauch, furchtbar gutes veganes Frühstück im Hotel Seeblick.

Processed with VSCOcam with f2 preset

 

Getrun­ken habe ich Margaritas, White Russian (während der mich begleitende Herr einen “Sweet Vanilla” bestellte und der Kellner zunächst verwirrt war), Wodka aus Eierbechern (shame on me).

Gechillt habe ich bei Donis Horrorshow in der Ilse, im Berliner Betrüger und in der Walker Evans-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau.

Processed with VSCOcam with f2 preset

5 Comments

  • Ronja says:

    Dein Eingangstext ist super schön! So hab ich da bisher noch nicht drüber nachgedacht, aber du hast wohl recht! Es scheint da ein ganz ungeahnter Luxus hinter zu liegen.
    Ich bin mit Veränderungen ja nicht so gut… das muss ich noch lernen : )
    Liebe Grüße, Ronja

    • Lina says:

      Es graust mir auch schon vor dem Moment, in dem sich diese Dinge ändern, ehrlich gesagt. Das ist so etwas elementares, so ein unvergleichliches Sicherheitsgefühl. Da kann man schon sehr dankbar für sein!

  • Sindy says:

    Als ich damals ausgezogen bin, lag meine neue Wohnung nur eine halbe Stunde mit dem Auto vom alten zu Hause entfernt. Allerdings entschlossen sich meine Eltern ziemlich schnell ebenfalls umzuziehen und das war schon irgendwie schwierig. Es ist natürlich absolut verständlich, dass sie ihren eigenen Weg gehen, aber es war dennoch ziemlich schwer so direkt ohne sicheren Notfallhafen zu sein.
    Ich habe dann hin und wieder Freundinnen dort besucht und fühle mich nach wie vor in diesem Ort sehr wohl. Aber ich lernte bald, dass meine neue Wohnung jetzt meine zu Hause sein muss. Kein Plan B.
    Liebe Grüße, Sindy

    • Lina says:

      Ja, es ist absolut verständlich, wenn Eltern auch mal auf sich achten wollen. Und klar muss man sich irgendwie arrangieren, hilft ja alles nichts :)
      Ich hoffe, dass ich das dann irgendwann auch hinbekomme, wenn es soweit sein sollte…

  • Henk says:

    Damit die Welt bescheid weiss: Der Sweet Vanilla war fucking lecker.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>