Heimkommen: Das 7-Punkte-Programm gegen den Reisekater

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Waaas, sie postet inspirational quotes? Ist das jetzt wieder son Ironie-Ding? Nein, ist es nicht. Ich leide momentan sehr stark unter Fernweh. Und nichts spricht mir mehr aus der Seele als dieses Zitat von Hans Christian Andersen.

Um mir irgendwie das Gefühl zu geben, ich sei gerade von einer langen Reise heimgekehrt, möchte ich mich nun wenigstens gedanklich darauf einstimmen – und die Tatsache ignorieren, dass ich mitten in der Klausurenphase stecke und erst wieder in ein paar Wochen daraus erwachen werde. Dann jedoch geht es in den Norden und direkt in die Ostsee.

Ariane von Heldenwetter hat zu einer Blogparade aufgerufen, die das Thema “Heimkommen” behandelt. Und ich mache gerne mit – denn den Post Travel Blues, der einen oft ganz unerwartet umhaut, kenne ich nur allzu gut. 

Im Verlauf einer längeren Reise freue ich mich oft irgendwann auf zuhause. Neue Eindrücke, interessante Länder und fremde Sprachen – genau mein Ding. Aber nach einer gewissen Zeit freue ich mich auf mein eigenes Bett, eine vertraute Umgebung und eine saubere Küche. Wenn es dann an die Heimreise geht, ist meistens noch alles schick. Zuhause angekommen, wartet die Wiedersehensfreude, das Auspacken des Rucksacks, die Dusche nach dem langen Flug. Doch irgendwann setzt er ein – der reverse Kulturschock, wie Ariane ihn nennt.

Irgendwie scheint alles grau. Der Alltag schlägt mit aller Kraft zu. Ihr habt euch verändert, die Menschen um euch haben sich auch verändert. Nichts will mehr so richtig passen und am liebsten wärt ihr jetzt an genau jenem Strand in Costa Rica, der euch letzte Woche noch den schönsten Sonnenuntergang ever präsentiert hat.

 

Where will you be when the travel hangover kicks in?

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Die folgenden Punkte haben mir persönlich sehr geholfen, den bösen Reisekater zu überwinden – mit der Zeit werdet ihr auch für euch ein After-Travel-Programm entwickeln, um die Reisefreude nachhaltig zu konservieren.

1) Die Wohnung sauber hinterlassen

Die erste Maßnahme fängt bereits vor der Reise an. Habe ich den Rucksack gepackt und alles Dringende erledigt, widme ich mich meiner Wohnung. Ich sauge, beziehe das Bett neu, wechsle Handtücher und wasche das Geschirr ab. So kann ich mich nach der Reise ganz darauf konzentrieren, anzukommen. Ich muss mich nicht damit belasten, dass es unordentlich ist – der Reisestaub reicht schon.

2) Ein Reisetagebuch führen

Sobald es losgeht – manchmal schon vor der eigentlichen Reise – notiere ich in meinem Reisetagebuch alles, was mir im Kopf rumschwirrt. Und es hilft mir nicht nur dabei, mein Heimweh niederzuschreiben oder den Überblick über die Ausflüge, Begegnungen und Kuriositäten einer Reise zu behalten. Nach dem Heimkommen kann ich dort auch meinen Reisekater dokumentieren und mich gleichzeitig in vergangene Erlebnisse flüchten. Und ja – das ist erlaubt! Wie bei Liebeskummer erfordert auch der Reisekater eine angemessene Trauerzeit. Siehe nächster Punkt.

3) Es langsam angehen lassen

Als ich für drei Monate in Mittelamerika war, hatte ich nach der Landung in Hamburg noch zwei Tage Zeit, wieder in Deutschland anzukommen – dann fing mein Praktikum an. Am Ende der ersten Praktikumswoche war ich (trotz super Praktikum und super Kollegen) komplett durch den Wind und irgendwie verzweifelt: Geht “Ankommen” wirklich so schnell und schonungslos? Im Nachhinein hätte ich mir wohl noch eine Woche länger Zeit nehmen müssen, um die Eindrücke, den Flug, die Veränderung zu verarbeiten. Deswegen: Macht ruhig. Lasst Luft. Atmet durch.

4) In Erinnerungen schwelgen

Fotos, Fotos, Fotos. Komme ich von einer Reise – und sei es nur ein Wochenendtrip – wieder zurück, bin ich ganz aufgeregt, alle Bilder zu sichten, die ich gemacht habe. Im Zuge der Fotobearbeitung gerate ich wieder ins Schwärmen. Ich lasse mir damit gern Zeit und hole mir jeden Tag ein bisschen die Reise zurück. Noch besser sind Analogbilder: Denn nach den paar Tagen Warten ist die Freude über schon fast vergessene Fotoschätze noch größer – und die Reise sofort wieder präsent. Klar kann man die Freude noch etwas verlängern, indem man Freunden die Bilder zeigt. Das ist jedoch keine uneingeschränkt gute Idee – siehe Punkt 5.

5) Leidensgenossen finden

Am liebsten möchte ich 24/7 über meine Erlebnisse sprechen. “Und dann, als wir im Taman Negara waren, sind wir halt immer zu den schwimmenden Restaurants gegangen und hier, guck mal, das zehnte Bild von meinem Nasi Goreng”. Bis irgendwann der Geduldsfaden reißt. Die beste Freundin, die Eltern, die Kommilitonen – sie alle interessieren sich zwar für meine Reise. Einen Abend lang. Vielleicht auch etwas länger und öfter. Aber dann reicht es. Lasst euch nicht die Freude durch einen desinteressierten Freundeskreis nehmen – und stellt diesen nicht auf die Geduldsprobe, indem ihr ihn nonstop mit Anekdoten zuspammt und nervt. Sucht euch Bekannte, die in dem gleichen Land waren oder die eine ähnliche Route gereist sind. Oder sucht euch Leute, die auch gerade ein Au-Pair Jahr hinter sich gebracht haben, die ebenfalls schon Work and Travel gemacht haben oder im Ashram waren. Sie sind dankbarere Gesprächspartner und verstehen den Post Travel Blues so gut wie kein anderer. Und dann könnt ihr beim nächsten Familienbrunch ganz lässig die coolen Unterwasserfotos zeigen, die gerade fertig geworden sind. Und alle freuen sich mit euch.

6) Gewohnheiten übernehmen

Habt ihr auf der Reise jeden Abend Tagebuch geschrieben? Oder wart ihr öfter mal den Sonnenuntergang anschauen? Habt ihr euch mit dem Wandern angefreundet oder begonnen, mit neuen Gewürzen zu kochen? Manche Gewohnheiten lassen sich kinderleicht in den Alltag integrieren und machen den Übergang weicher. Das heißt nicht, dass ihr plötzlich euer Leben umstellen müsst. Aber so hier und da mal ein paar Erinnerungen aufleben zu lassen macht glücklich.

7) Nach der Reise ist vor der Reise

Böse Zungen behaupten, es würde sich hierbei um eine Flucht vor den eigenen Problemen handeln. Ich würde es eher mit Fernweh, Sehnsucht und Reiselust beschreiben. Von welchen wunderbaren Orten haben eure Hostelnachbarn nochmal geschwärmt? Was war das nächste Ziel der Bekanntschaft, die ihr auf ihrer Weltreise getroffen habt? Letztes Mal Strand, nächstes Mal lieber Berge? Eine Reise zu planen, zu träumen und auch (momentan) utopische Wünsche zuzulassen tröstet darüber hinweg, dass es vielleicht noch etwas dauern wird, bis ihr das nächste Mal ins Flugzeug steigt.

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Welche Tipps habt ihr, um den Reisekater, den Post Travel Blues, den reversen Kulturschock zu überwinden?

 

Die Bilder stammen übrigens alle drei von meiner Reise in die Sächsische Schweiz. Kein fernes Land, aber definitiv eine Reise wert! Hilft auch gegen Kater. Also, Reisekater.

 

5 Comments

  • Leah says:

    Den Post-Reise-Blues kenne ich nur all zu gut. Wobei er in den letzten Jahren bei mir abgenommen hat, da ich meinen Alltag unterdessen auch mag. Zu Zeiten meines Studiums war das nach Hause kommen aber richtig schlimm. Als ich das eine Mal von China nach Hause flog, setzte er sogar schon im Flugzeug ein. Als das Flugzeug startete, heulte ich. Zuhause war ich dann erstmals ein paar Wochen unausstehlich, weil ich nicht da sein wollte, wo ich war, sondern lieber wieder nach China zurück wollte.

  • Ariane says:

    Vielen lieben Dank für die Teilnahme an der Blogparade, ich hab mich riesig gefreut! Klasse Artikel mit wirklich guten Tipps! :) Vor allem #6 finde ich klasse, viele Dinge aus meinen verschiedenen Urlaubsländern und aus Peru hab ich mir auch nach und nach angewöhnt. Sei es die im Internet bestellte Inca Kola, die ich an heißen Tagen schlürfe, das Kochen mit viiiieeeel Koriander oder die selbstgebackenen Pasteis de Nata…

  • Sophie says:

    Ich danke dir für deine lieben Worte auf meinem Blog :)! Ich freue mich richtig für dich, dass du auch so einen tollen Freund an deiner Seite hast, der dir hilft. Es gibt doch nichts schöneres, als zu wissen, dass man nicht alleine ist! Das mit den blöden Kommentaren war eigentlich eher allgemein gedacht. Ich habe bis jetzt das Glück, dass ich noch keinen richtig bösen bekommen habe. Bei mir ist das eher so ne Sache mit Lästereien und Gelache von ehemaligen Mitschülern etc. Aber da stehe ich mittlerweile drüber, früher hatte es mir viel mehr ausgemacht :)
    Allerliebste Grüße, Sophie
    Linsenspiel

  • Kia says:

    Was für ein schöner Artikel. Eigentlich kann ich alles davon nur bestätigen :) Gerade dass mit dem Gewohnheiten übernehmen, man vergisst so leicht dass man auch ganz viel vom Reisen mitnehmen kann. Und diese neuen Gewohnheiten einem vielleicht auch zu Hause Spaß machen :)

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