Der Hamburger Dom

IMG_9941Der Hamburger Dom ist mein Kryptonit. “Das größte Volksfest im Norden” findet zwar nur dreimal im Jahr für jeweils vier Wochen statt, aber gefühlt ist eigentlich das ganze Jahr über Dom. J. weiß, wovon ich spreche, da ich mich mit mindestens derselben Frequenz darüber aufrege. Die Erleichterung, wenn man selbst in der U3 unterwegs ist und die Horden bei der Station Feldstraße aussteigen. Das Grauen, wenn man in der U3 unterwegs ist und die Horden mit Plüschtieren, Zuckerwatte und einem nicht mehr feierlichen Alkoholpegel bei der Station Feldstraße einsteigen!

Mit 15 – ja, da war der Dom noch spannend. So in Reeperbahn-Nähe (gefährlich! verboten!) und in der Achterbahn konnte man den Boys und sich selbst seine eigene Furchtlosigkeit beweisen. Vielleicht teilst du dir mit mir einen Liebesapfel? Das gesparte Taschengeld von drei Monaten an einem Dom-Abend ausgegeben. Mindestens drei Einladungen, um im Publikum der Qualitätssendung “Britt” zu sitzen. “Achtet auf eure Taschen”. Abgefrorene Hände im Winter und im Sommer war da die Problematik mit dem kurzen Rock und dem Kettenkarussell. Damals standen die coolen Kids noch bei den Autoscootern – aber wer würde das heute noch tun, seien wir ehrlich. Dom-Dancer is the place to be!

Wilde Zeiten.

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Wie friedlich also präsentierte sich der Frühlingsdom, als ich am Ostermontagmorgen über das Heiligengeistfeld streifte und fotografierte. Vor den Öffnungszeiten zwischen den Buden entlang laufen, hier ein Foto, da ein Foto. Nicht ganz so friedlich allerdings fühlte ich mich, als ich merkte, dass die Verlassenheit der Fahrgeschäfte dazu führte, dass ich alleine mit älteren Männern, die langsam ihre Buden öffneten und mich misstrauisch beäugten, von der Reeperbahn kommenden Seebären auf Fahrrädern und vielen Vans ohne Fenster auf dem Heiligengeistfeld wandelte. Mehr als einmal schaute ich mich skeptisch um – war es eine gute Idee gewesen, hier alleine hinzukommen? Ausgestorbene kunterbuntglitzernde Kinderkarussells und immer wieder eine Brise von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln, die aus geschlossenen Backwarenbuden zu mir wehte.

Der verlassene Dom an einem Frühjahrsmorgen. Irgendwo zwischen faszinierend und spooky.

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4 Comments

  • Stefanie says:

    Wunderschöne pastellige Fotos. Ich gehe zwar selbst höchst selten an solche Vergnügungs-Achterbahn-Meilen, aber so ganz verlassen und ohne die knalligen Lichter sehen die Anlagen echt toll aus!:) Super Idee von dir, dass du das fotografiert hast.

    • Lina says:

      Vielen lieben Dank! Ich bin da während der Öffnungszeiten auch nicht so gerne, aber die Idee, da mal morgens hinzugehen, hat mich irgendwie fasziniert :)

  • Haha! Ein wunderbarer Artikel der wohl auf jede Stadt mit wiederkehrenden Volksfesten angewandt werden kann. Ich bin aus Stuttgart und hier werden wir im Frühling mit dem Frühlingsfest im Herbst mit dem Wasen “beglückt.” Auch den Hamburger Dom habe ich mir schon einmal angeschaut, sonderlich toll fand ich ihn nicht…

    Viele Grüße
    SImone

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