Belangloser Content einer Mittzwanzigerin

img_0900Das Allerschlimmste ist vielleicht, dass wir jung und weiblich sind.

Ich korrigiere mich: Dass wir jung und weiblich sind und mit unseren Meinungen nicht hinter dem Berg halten. Dass wir über unsere Gefühle reden, dafür Verantwortliche suchen – andere Menschen, die Umstände oder uns selbst. Dass wir tatsächlich glauben, unsere Texte hätten eine Berechtigung.

Denn warum sollten sie überhaupt eine Berechtigung haben, bilden sie doch nicht die Lebensrealität älterer, weißer Männer ab? Nein, wir beschäftigen uns in unseren Texten mal ausnahmsweise nicht mit denen, um die es sonst so oft geht. Wir beschäftigen uns mit uns selbst, unseren – und nun kommt es, das böse Wort: Befindlichkeiten.

Was für ein Quengeln es ist, das man aus allen Ecken hört, aus dem Feuilleton und aus den Facebook-Kommentaren. Wie weinerlich wir seien, wir Vertreter dieser Generation Y, die sich seltenst selbst so nennt. Dabei ist das einzige Weinen, das man in dem Moment hört, das derer, die sich von unseren Texten nicht repräsentiert fühlen. Was maßen wir uns auch an? Texte über Themen zu schreiben, die UNS beschäftigen. Unsere Gefühlswelt zu offenbaren, Gedanken zu teilen und uns auszutauschen mit denen, denen es ebenso oder ähnlich geht. Uns gegenseitig zu versichern: Du bist nicht allein, auch andere junge Frauen und Männer haben Zukunftsängste, kämpfen mit Problemen psychischer, körperlicher, finanzieller, familiärer oder amouröser Natur.

img_0809Wir zeigen uns dankbar über die Möglichkeiten, die wir haben und kritisieren Zustände, die wir für kritisierenswert halten. Wir nutzen die Plattformen, die wir für geeignet halten, wir bloggen, drehen Videos oder fotografieren. Texte von Mittzwanziger*innen über deren Befindlichkeiten sind aber auch nichts Neues, die gab es schon vor dem Internet und auch schon vor der Möglichkeit, sein eigenes viel zu kleines Ego über Facebook-Kommentare aufzublasen.

Ich schreibe eine regelmäßige Kolumne für Mit Vergnügen Hamburg. Sie nennt sich “Segel Setzen” und tut genau das: Sie beschäftigt sich mit der Richtung, die ich meinem Leben geben will, mit Aufbruchsstimmung, mit dem was vor mir liegt und den Schwierigkeiten, die sich auf meinem Weg breit machen. Viele negative Kommentare gibt es dazu nicht, aber wenn, dann beinhaltet die Begründung, warum der Text “schlecht” ist, mein Alter und auch gern mal die Belanglosigkeit des Themas. Bisher kamen die Kommentare ausschließlich von Männern, ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Newsflash: Wenn es dich einschüchtert, dass ich als junge Frau über Themen schreibe, die du nicht verstehst, dann gibt’s da oben so ein rotes Kreuz, das darfst du drücken und woanders rumheulen, wo du niemanden störst.

Der Titel für diesen Artikel wurde übrigens inspiriert von einem Kommentar, den ein Kolumnentext von mir auf Twitter bekommen hat. Der betreffende Account, der 34 Follower hat und nur aus Retweets von Hamburg-News besteht, war offensichtlich not amused über meine belanglosen Texte. Sorry not sorry.

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