[Backstage] Man bloggt nicht “nebenbei”.

IMG_8916Im letzten [Backstage]-Post habe ich euch etwas über das schwierige Verhältnis zwischen Professionalität und Persönlichkeit beim Bloggen erzählt. Heute möchte ich über den Zeitaufwand sprechen, den ein Blog so mit sich bringt.

Wer nicht bloggt, der unterschätzt leicht, welche Arbeit in einen Blog gesteckt wird. Voraussetzung ist natürlich regelmäßiges Veröffentlichen von Beiträgen. Ich poste zurzeit ungefähr dreimal in der Woche, manchmal mehr und manchmal weniger. Gerade jetzt in der Prüfungszeit ist es nicht ganz leicht, die Uni, das Geldverdienen und den Blog unter einen Hut zu bekommen (und gleichzeitig auch ein Sozialleben zu haben).

Was ihr hier auf meinem Blog seht, ist keinesfalls die Arbeit von 30 Minuten. Dazu möchte ich eine kleine Rechnung aufstellen, deren Ergebnis mich auch tatsächlich mal interessiert, denn wirklich gezählt habe ich die Arbeitsstunden für den Blog noch nie.

Sehen wir zunächst einmal vom Themedesign, Social Media Krams, Monitoring, Mails und so weiter ab und betrachten nur die Artikel.

Im Einzelnen benötige ich:

Für das Fotografieren (inklusive Vorbereitung): 45 Minuten

Für die Bildbearbeitung: 45 Minuten

Für das Texte schreiben: 60 – 120 Minuten

Für die Schlusskorrektur, will heißen: Preview, Links setzen, Preview, Bilder einsetzen, Preview, Fehler korrigieren, Preview: 30 Minuten

Natürlich verwende ich nicht immer eigene Bilder. Manchmal passt das Licht einfach nicht oder ich habe schlicht keine Zeit für Bilder. Dann verwende ich Stockbilder, die natürlich auch sorgfältig ausgesucht sein wollen. Und nicht jeder Artikel ist so aufwändig wie mein Musterbeispiel. Aber geht man von einem gründlich recherchierten Artikel mit eigenen Bildern aus, dann kostet er mich drei bis vier Stunden Zeit.

Ein Blog besteht jedoch nicht nur aus Artikeln. Wenn ich den Post veröffentlicht habe, teile ich ihn auf Facebook und anderen Plattformen. Außerdem mache ich mir Gedanken um das Design. Zurzeit gibt es noch viele Dinge, die ich ändern und verbessern möchte. Dann wird das MediaKit regelmäßig aktualisiert – was mich zum Monitoring führt. Klar beobachte ich, wann wieviele Menschen auf meinen Blog kommen, woher sie kommen und welche Artikel sie am liebsten lesen. Dazu fuchse ich mich in SEO-Themen, Google Analytics und zahlreiche Plug-Ins rein. Ich bekomme Mails von Bloggern und Unternehmen und kümmere mich um Kooperationsanfragen – wenn es sich nicht so doof anhören würde, dann würde ich es “Backoffice” nennen.

In der Woche verbringe ich damit bestimmt vier bis fünf Stunden.

Nehme ich also einen Durchschnitt von etwa 10-15 Stunden Arbeit am Blog in der Woche an, so mutet das ganz schön viel an. Sicherlich gibt es auch Wochen, in denen diese Zahl deutlich niedriger ist und es gibt Beiträge, an denen ich deutlich kürzer schreibe. Meine Arbeitszeit für notes to herself lässt sich also kaum korrekt beziffern.

Viel wichtiger ist jedoch: Dieser Blog, dieses Magazin, wie immer man es auch nennen mag, ist ein Herzensprojekt. Etwas, woran ich täglich denke. Bin ich unterwegs, denke ich über neue Artikelideen nach, ich spreche mit anderen darüber, ich denke über den Blog und seine Rolle in der Blogosphäre nach. Ich überlege, wie die Zukunft des Blogs aussehen wird. Ich entwickle Redaktionspläne, verwerfe diese, hole sie wieder hervor. Der Blog begleitet mich Tag für Tag, Stunde um Stunde.

Nein, ich blogge nicht nebenbei. Das Bloggen ist vom reinen Zeitaufwand kein Pappenstiel. Doch auch mein Herz hängt daran. Und wie viele Gedanken ich mir um den Blog mache – das kann man gar nicht quantifizieren.

Aber hey – im Endeffekt ist das gar nicht so schlimm! Denn für ein Herzensprojekt macht man das gerne.

[Alleine dieser Artikel hat mehrere Tage bis zur Fertigstellung gebraucht. Ich habe ihn Freitag angefangen und Montag veröffentlicht.]

 

7 Comments

  • Corinne says:

    Das ist wirklich ein wahrer Artikel. Ich bin auch immer wieder überrascht, wenn ich an die Uhr schaue, wie lange ein Post eigentlich gedauert hat. Geht es dir auch so, dass es mit der Zeit immer schwieriger wird, sich auf den eigentlichen Blog zu konzentrieren, also sich nicht ablenken zu lassen von Twitter, Instagram, Mails usw? Ich muss mir in letzter Zeit sehr häufig sagen, denk dran, es geht vordergründig um den Inhalt auf dem Blog. Auch weil ich selbst unzufrieden werde, wenn ich mich mit dem Anderen zuviel beschäftige. Denn wegen der Lust am Schreiben habe ich das Blogprojekt eigentlich mal angefangen.

    • Lina says:

      Ja, auf jeden Fall. Ich lasse mich sowieso immer sehr gerne ablenken und dann ist Instagram so verlockend… Aber wenn ich spontan eine Idee habe, für die ich total brenne, dann schreibe ich einen Text auch mal in einem Rutsch runter. Klar werkle ich dann später noch etwas daran herum, aber die Grundaussage steht und die Form der Umsetzung ebenfalls. Das ist so ein gutes Gefühl!

  • Julia says:

    Genau so ist es. Andere spielen Fußball. Wir bloggen. Und investieren Zeit und Gedanken in unser Herzensprojekt… und solange das Spaß macht und ich mir gerne darüber den Kopf zerbreche sehe ich auch keinen Grund dies zu ändern :)

    • Lina says:

      Ja, man kann es tatsächlich mit einem zeitintensiven Hobby wie Fußball vergleichen. Da hast du auch mehrmals die Woche Training und am Wochenende ein Spiel – und dann die Sportschau ;)
      Genauso geht es mir übrigens mit den Kosten. Geld für ein Theme auszugeben fiel mir anfangs schwer. Bis ich mir dann gesagt habe, dass andere Leute auch Geld für ihre Hobbies ausgeben – und wenn es nur Modelleisenbahnen sind (blöder Vergleich).

  • Hach, Du sprichst mir mit dieser Kolumne wirklich aus dem Herzen, es ist schön zu lesen, dass es anderen Bloggern ganz genau so wie einem selbst geht – danke dafür :) LG

    • Lina says:

      Und es ist schön zu sehen, wenn andere sich darin wiederfinden! Genau für diesen Austausch ist die Kolumne entstanden :)
      Also ebenfalls danke!

  • Das hast Du schön dargestellt – macht man sich ja selber oft gar nicht so klar…

    Ich betreibe das Ganze allerdings ein bißchen anders, denn weil ich einiges an Kunden-Onlinepräsenzen betreue, plane, konzipiere und pflege, habe ich für meinen privaten Blog dazu gar keine Lust. Ich bin – privat – eine Spontanschreiberin und nehme Fotos meist aus meinem reichhaltigen und stets wachsenden Fundus.

    Ich bewundere immer, wieviel Planung viele von den anderen Bloggern in ihre Projekte stecken. Nichtsdestotrotz ist auch mein Blog mein privates Herzensprojekt. Denn täten wir es sonst?!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>