[68 días] La granja de María y Chong

In den Highlands der Provinz Veraguas in Panamá liegt das verschlafene Dorf Santa Fe. Das einzige Internetcafé öffnet für ein paar Stunden am Tag, die Kinder laufen auf der Straße herum und klauen schnell mal ein paar Orangen vom Nachbarn und jeder hält auf der Straße für einen kleinen Plausch an.

Der Grund, warum der Chicken-Bus nach Santa Fe alle 5 Minuten hält und immer proppevoll ist (ich fand mich irgendwann mit einem panamenischen Baby auf dem Arm wieder), sind die zahlreichen Bauern, die in der Umgegend wohnen. Die meisten von ihnen sind in der Cooperativa Esperanza los Campesinos zusammengeschlossen (übersetzt etwa: Kooperative für die Hoffnung der Bauern).

Eine dieser Bauern ist María. María führt zusammen mit ihrem Mann Chong einen kleinen Bauernhof in den Bergen und das schon seit über 40 Jahren. Zu ihrem Bauernhof gehören Gemüsebeete (Tomaten, Reis, Gurken, Bohnen), Obstbäume (Mangos, Ananas und die obligatorischen Bananen und Orangen), eine kleine Kaffeeplantage, einige Hühner und ein kleiner, aber feiner Orchideengarten.

Als ich sie frage, woher sie die ganzen Kenntnisse hat, die nötig sind, einen Bauernhof zu führen, sagt sie: “Das habe ich mir selbst beigebracht”. – Nicht von deinen Eltern gelernt? “Nein, die sind gar keine Bauern”. – Wie kommst du dann zu einem Bauernhof?

María fängt an, mir die Geschichte der Campesinos von Santa Fe zu erzählen.

Ende der 60er Jahre stand es schlecht um die Bauern der Provinz Veraguas. Die Großgrundbesitzer der Region nutzten ihre Machtposition aus, die Schulbildung wurde vernachlässigt, es gab kaum genug Essen, die harte Arbeit musste auf den Feldern der Oberen verrichtet werden.

Hector Gallego, ein Jesuitenpater aus Kolumbien, kam auf einer seiner Reisen zufällig in Santa Fe vorbei und war erschrocken über die Zustände. Er prangerte sie öffentlich an, gründete die Cooperativa und half den Bauern zur Selbsthilfe. Es gab öffentliche Treffen mit Diskussionen darüber, wie die Situation zu verbessern sein könnte, es gab Seminare und Workshops über verantwortliches, ertragreichen und nachhaltiges Bewirtschaften von Land, er ermutigte die Bevölkerung, sich zu nehmen was ihnen zustand.

Wenig später starb einer der Großgrundbesitzer, nachdem er seine Söhne zum Studieren nach Panamá-City geschickt hatte – niemand war mehr für das Land zuständig. Einige Bauern – darunter María und Chong – nahmen es für sich in Anspruch und bewirtschaften es seither erfolgreich.

Die überflüssigen Erträge gehen an den örtlichen Supermarkt und werden dort zu günstigen Preisen an die Dorfbewohner verkauft. María ist stolz darauf, keine Chemikalien einzusetzen: “Der einzige Dünger ist der Kompost, den wir aus unseren Bioabfällen gewinnen”. – Müsst ihr viel dazukaufen? “Eigentlich haben wir alles was wir brauchen. Manchmal kaufe ich frisches Schweinefleisch von den Nachbarn oder Salz und Pfeffer aus dem Supermarkt.”.

Wir haben uns inzwischen in die Hängematten in ihrem Garten gesetzt und sie serviert mir frischgepressten, puren Orangensaft.

“Natürlich musst du nicht glauben dass der Pater ungeschoren davonkam. Er wurde 1971 entführt und wir haben ihn nie wieder gesehen. Seine Worte an uns waren immer: ‘Wenn ich eines Tages verschwinde, dann sucht nicht nach mir. Kämpft weiter.'” Allerdings wurden auch die rechtmäßigen Erben des Großgrundbesitzers nie mehr gesehen. Seit vierzig Jahren ist niemand erschienen, um seinen Besitz einzufordern. Dies beschert María, Chong und den anderen Bauern ein friedlichen Leben.

María führt mich im Garten herum, erklärt mir die 50 unterschiedlichen Orchideensorten, führt mir den Produktionsprozess ihres Kaffees vor und so schlendern wir langsam ins Haus. Das Haus ist einfach und wenig schmuckvoll eingerichtet: Weil es gerade neugebaut wurde, gibt es bisher nicht einmal Putz an den Wänden. Ein großer Raum mit kleiner Küche, Sofa und Esstisch. Ein kleines Bad, ein kleines Schlafzimmer. Manchmal laufen die Hühner hinein, da es nur ein paar Schwingtüren gibt. Jesusbilder hängen an den Wänden und der Esstisch ist mit einem geblümten Wachstuch bedeckt.

Inzwischen sind auch eine Freundin und ihr Sohn vorbeigekommen und wir trinken zu viert einen starken panamenischen Kaffee, in den ich ausnahmsweise mal keine Milch gebe.

Später macht María für uns Mittagessen: Sie brät Schweinefleisch, frittiert Bananen, kocht Reis und Bohnen und bereitet die Vinaigrette für den Salat zu. Alles selbstverständlich frisch und bio. Und mit Liebe zubereitet. Und von mir mit Neugier verfolgt. Ich helfe ihr gerne. Bananenscheiben salzen und in Pflanzenfett werfen, herausholen, plattstampfen und nochmal frittieren.

Das Essen ist simpel, nahrhaft und lecker. So ein Mittagessen wünsche ich mir auf Reisen öfter. Ich bin froh, hergekommen zu sein.

Bist du glücklich mit deinem Bauernhof, María? “Wir haben alles was wir brauchen. Wir helfen uns selber und gegenseitig. Mein Sohn wird ihn irgendwann übernehmen und ist jetzt schon begierig, alles zu lernen. Wir tun Gutes und geben uns mit wenig zufrieden. Ich bin sehr froh über mein Leben und das was ich tue. Es ist ein einfaches Leben, aber es reicht mir. Es gibt immer viel zu tun und es ist schön, wenn Menschen das wertschätzen.”

Santa Fe / Panama

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